Mystizismen beziehungsweise der transrationale Charakter bestimmter Denkweisen, die mitunter in den Grenzbereich der Darstellungs- und Kommunikationsfähigkeit von Sprache ragen, prägen immer wieder einzelne Perioden verschiedener Zeitalter. Irrationalismen, etwas, das im Rahmen von Rationalitätsbedingungen nicht bewältigbar scheint, das Leugnen des Absolutheitsanspruches des sinnlich-empirischen Ich und des physischen Lebens gehen Hand in Hand mit den Erneuerungen auf diversen wissenschaftlichen Gebieten und vor allem den davon abgeleiteten Veränderungen in gesellschaftlichen Wertsystemen. Das individuelle Ich setzt sich für die Aufhebungen des überindividuellen Ich ein. Die Geburt aus dem Geist, die Einsicht in die Selbstnatur.

Der Mystizismus als vage Anlehnung, Ins-Spiel-Bringen oder erlösende Verunklärung kann als weiteres Charakteristikum von vielen in Österreich bis in die sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts entstandenen künstlerischen Leistungen gelten. Im siebten Jahrzehnt absolvierte dieser Hang sein bislang letztes Wiederaufleben. Und das als diagonaler Vektor vom dezidiert religiöse Begabung thematisierenden Werk Hermann Nitschs bis zum technoiden Mystizismus der parallelen Privatwelt Walter Pichlers. Als Partner der Rationalen bei Hans Hollein oder in der schockierenden Phantasiewelt aller Nachfahren Alfred Kubins. Der hämische Rückzug in die Dämonie dient vielen, wofür andere das ästhetische Lot in psychologische Tiefen hängen. Einem Urbedürfnis soll dabei auf die Spur gekommen werden, indem man ihm nachgibt.

Der Mitte des Jahrhunderts, der Zeit also, in der eine Nachkriegsgeneration, die nicht aktiv in den Schrecken einzugreifen hatte, sondern halb verhungert unter Tags die Konsequenzen absaß, zu ihren ersten schöpferischen Leistungen herangewachsen war, entsprach ein heiliger Frühling in den ersten Dezennien.

Damals schien ein Teil der Künstlerschaft von einem neuen Geist beseelt, auf andere Gedanken gekommen, die für den schöpferischen Akt der Produktion von Kunst einen eigenen Kontext vorsahen. Die Rolle des Künstlers wurde um eine spirituelle Seite bereichert, seine Herangehensweise und Unantastbarkeit mit der eines Priesters verglichen. Darüberhinaus galt es aber auch für die Kunst, in ihrem gesellschaftlichen ranking eine Aufwertung zu erfahren. Die Kunst sollte wieder als einer der grundsätzlichen Argumente bei der Organisation des Lebens aufgefaßt werden, der schöpferische Akt als dem Lebenswillen ureigenster Aspekt. Gustav Klimt repräsentiert dieses Denken in der Inszenierung seines reifen Künstlerdaseins vergeichbar anschaulich, wie Fritz Mauthner die Analyse zugunsten einer mystizistischen Vertiefung betreibt.