Einer der markantesten Aspekte, welcher die Kunstausübung im zwanzigsten Jahrhundert von jener der vorhergehenden unterscheidet, und der ein Phänomen darstellt, das in den verschiedensten Metropolen der europäischen Kultur anzutreffen ist, liegt in der Besinnung der bildenden Kunst auf das ihre formale Grundlage bildende Material. Nachdem das bildnerische Schaffen durch verschiedenste Erfindungen von der Notwendigkeit, ausschließlich darzustellen, emanzipiert wurde, ist eine Entwicklung freigegeben, die darauf aus ist, ihr ästhetisches Vokabular bis in die Wirklichkeit hinein auszudehnen.

Auch die kulturelle Entwicklung Österreichs, die einige maßgebliche Repräsentanten und sogar Initiatoren dieser Erneuerung in ihren Reihen versammelt, kann aus diesem Blickwinkel nach impulsgebenden Vertretern befragt werden.

Eine Fokussierung auf die erste Jahrhunderthälfte setzt bei Ernst Machs Beschäftigung mit Wahrnehmungsmechanismen und somit bei einem der Vordenker des Neopositivismus des Wiener Kreises, dessen Verifikation nur noch empirisch überprüfbare Sätze als Instrumente des Denkens zuläßt, an. Parallel dazu bei den Hauerschen und Schönbergschen Kompositionstheorien, und dabei vor allem Hauers Methode mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen. Hauers Lehre von den Tropen führt 44 Wendungsgruppen an, in die man alle Möglichkeiten, verschiedene Zwöltonreihen zu bilden, einteilen kann.

In dieser knappen und subjektiven Übersicht endet eine am Material orientierte Genealogie - nachdem sie fundamentale Leistungen, wie etwa die aus Reihentechnik und serieller Kompositionsweise resultierende Komprimierung auf den einzelnen Ton und den Intervall bei Webern, die materielle Befragung der Sprache durch die Vertreter der wiener gruppe, sowie die etlicher anderer Künstlerpersönlichkeiten anführt -, bei den Veranstaltungen der Wiener Aktionisten, denen ein weiterer Abschnitt des Ausstellungskonzeptes gewidmet ist. Namentlich in der Materialaktion Otto Muehls, die den menschlichen Körper zum Material des Künstlers erklärt, sowie im Orgien Mysterien Theaters Hermann Nitschs, dem sowohl der menschliche, wie auch der animalische Körper als Vokabel und dreidimensionaler Bildgrund dient.

Wesentliche Stationen auf dem Weg dorthin liegen in der Entwicklung des metaphorischen und des metrischen Films durch Peter Kubelka, dessen künstlerisches Konzept sich auf die wesentlichen materiellen Aspekte des Filmes konzentriert, Bild und Schnitt, sowie, im erweiterten Sinn Licht und Zeit, oder auch in Arnulf Rainers Materialanalyse der Malerei, die zu einer neuen Form des Malereiverständnisses führt.