Fritz Simak

Schattenfänger

Als technisches Medium ist die Fotografie dem menschlichen Auge überlegen, nicht nur, weil sie kürzeste Augenblicke sichtbar machen, sondern auch lange Zeiträume zu einem Bild kondensieren kann – Bilder die sich nur der Wahrnehmung des Kamera-Auges bieten.

In seinem Werk beschäftigt sich Fritz Simak seit den frühen 1970er Jahren mit Fotografien, die die technischen Möglichkeiten des Mediums ausloten, mit dem Sichtbarmachen von Unsichtbarem, nicht Wahrnehmbarem oder übersehenem.

Auch in seinen Schattenbildern ist es Fritz Simak um dieses Grund-Paradigma der Fotografie getan. Das Spiel der nächtlichen Schatten auf der Mauer des Schlosses Schönbrunn ist in mehrerer Hinsicht beachtenswert. Das Mauerstück befindet sich nur 50 Meter rechts neben dem Haupteingang, an dem Jahr für Jahr über 300.000 Touristen und Einheimische vorbeikommen ohne die grafischen Formen zu bemerken. Die Fotografien sind analog mit den Lichtern der Nacht entstanden, mit der Straßenbeleuchtung, den vorbeifahrenden Autos und dem Mondlicht. Sie zeigen ein Abbild des flüchtigsten Dings — das gar kein Abbild ist — dem Schatten. Sichtbar gemacht durch lange Belichtungszeit und abgezogen als nicht manipulierte Gelatin silver prints.

Wie sich Licht und Schatten auf der fotografischen Emulsion abzeichnen, zeichnen sich die Schatten auf der Mauer ab. Das eigentliche Objekt, ist im Bild abwesend. Vereinzelt sind Ausschnitte der Bäume als materielle Referenz sichtbar. Assoziationen zu Platons Höhlengleichnis, zu Traumbildern, aber auch zu Werken der Subjektiven Fotografie der 1950er Jahre tauchen auf und zeigen einmal mehr Simaks tiefe Verwurzelung in der klassischen Fotografie und ihrer Geschichte.
(Gerald Piffl)

 

 

Fritz Simak

 

* 1955 Wien, A
Der Musiker, Photograph, Sammler und Kurator entwickelt schon in jungen Jahren streng konzeptuelle Photosequenzen und zählt zu den Pionieren der Konzeptphotographie in Österreich. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit den Möglichkeiten des Mediums und zeichnen sich durch die intellektuelle Hinterfragung des Wirklichkeitsbegriffs und ihre technische Perfektion aus. Lebt und arbeitet in Wien, A.


 

 
 
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