Liesl Ujvarys Musik

Vortrag, gehalten am 12. 3. 2004 im literarischen quartier alte schmiede, Wien
anlässlich des "Literarischen Portraits: Liesl Ujvary" | von Martin Breindl

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  1. Rezepturen
  2. Das Material
  3. Die Synthese
  4. Der Rhythmus
  5. Die Welthaltigkeit - Die Sprache
  6. Kontrollierte Spiele

Kontrollierte Spiele

Die Cyborg Ujvary sitzt verkoppelt mit ihrer Maschine und spielt kontrollierte Spiele. Viele Objekte hat sie um sich versammelt. Sie liegen einfach so herum in ihrer virtuellen Umgebung, die aber in diesem Zustand gleichzeitig eine reale Welt ist. Die Objekte haben keine eindeutige Geschichte, keine festen Zustände sie sind vorhanden in allen Möglichkeitsformen, die sie besitzen können. Ujvary spielt mit ihnen mehrdeutige Geschichten, bewegt sie (und sich selbst) durch alle nur denkbaren Möglichkeitsfelder. Sie begegnet Schrödingers Katze. Diese ist tot und lebendig zugleich.

Wenn Liesl Ujvary Musik macht, macht sie das in einer Möglichkeitsform dieser Welt, denen mit dualistischem Denken, mit aristotelischer Logik, mit unserem cartesianischen Weltbild nicht mehr beizukommen ist. In dieser Umgebung wird auch der Begriff von Arbeit fragwürdig in seinem klassischen noch immer vom industriellen Zeitalter geprägten Sinn. In ihrem durch den 4/4-Takt geöffneten quantenmechanischen Raum, in dieser Welt, kommt durch Arbeit nichts mehr zustande. Was übrigbleibt und was Sinn macht ist das Spiel.

 

Die Cyborg Ujvary sitzt verkoppelt mit ihrer Maschine und spielt kontrollierte Spiele. Bei diesen Spielen kann man nicht gewinnen, aber auch nicht verlieren. Man ist Spieler und Figur zugleich. Was der CD-Toaster am Ende dieses Spiels dann ausspuckt, ist ein möglicher Zustand dieses Spiels. Ein möglicher Zustand des Seins. Es könnte aber auch ein ganz anderer sein.

Liesl Ujvary nennt das dann "Musikstück". Und dagegen kann man gar nichts einwenden.

¦ Martin Breindl, im März 2004 ¦


Dieser Text erschien in leicht veränderter Form in: weiche welten liesl ujvary, Wien: Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 2004