Durchlässige Landschaft

oder: was kommt zutage?

künstlerische Intervention in Bad Eisenkappel/Železna Kapla

Konzept

Die Geschichte der Landschaft um Bad Eisenkappel ist 500 Millionen Jahre alt. Gewaltige horizontal und vertikal wirkende geologische Kräfte entlang der Periadriatischen Naht, gleichzeitig auftretender Vulkanismus, Erosion und natürliche chemische Prozesse haben eine poröse Landschaft geschaffen, durchzogen von Sedimenten verschiedenster Art, von labyrinthischen Höhlen und unterirdischen Flüssen, Gräben und Dolinen, die der viel später auftretende Mensch auf der Suche nach Eisenerz und Kohle durch Gänge, Stollen und Gruben erweiterte.

Menschen besiedeln diese Landschaft, formen sie um, nutzen sie, bewegen sich darin. Vielfältigste Begegnungen finden statt, Beziehungsgeflechte entstehen. Alles was gesprochen, erlebt und getan wird fällt als eine Art Zeitschatten auf die Landschaft, dringt ein in ihre Poren, versickert in den Kapillaren ihrer materiellen Substanz. Durchwandert man eine solche Landschaft, fühlt man oft einen Hauch ihrer Geschichte. Als gäbe es einen Atem, einen Puls, als wäre sie durchzogen von einem Myzel aus sensitiven Nervenbahnen, die alles registriert und gespeichert haben, was je in ihr geschehen ist. Und dann wünschte man, die Landschaft würde ihre Geschichte wieder freigeben und einfach zu sprechen beginnen. Erneut durchlässig werden.

Martin Breindl, aus: Die Probleme von Judenburg, 2014

Die Klangmaschine – Installation im öffentlichen Raum

Ein myzelartiges Röhrensystem wuchert an einem öffentlich zugänglichen Ort aus der Landschaft. Es dringt in die imaginierten unterirdischen Hohlräume und Gänge vor, um die darin verschütteten, vergrabenen und verdrängten Klänge zu Tage zu fördern. Eine metaphorische Bergwerksmaschine, die sich durch die sprichwörtlichen Ge/Schichten des Untergrunds bohrt, um deren akustische Splitter, Scherben und Fragmente an die Oberfläche zu pumpen und sie dadurch hörbar zu machen. Das akustische Material der Installation sind ausschließlich Klänge, über die in den Gesprächen mit den Menschen gesprochen wird, die darin als Erinnerungen auftauchen. Es sind dies Klänge der Natur selbst, der Landwirtschaft, des Bergbaus, der Eisenverarbeitung, des Handels, der kulturellen Aneignung, Gesänge und Fragmente der Gespräche selbst – kurz alles, was die Soundscape dieser Gegend geprägt hat und heute noch prägt. Es sind historische Klänge, die längst ausgestorben sind und aktuelle, die im Lauf der Zeit hinzugekommen sind, und die nun in der Klangmaschine geloopt und dynamisch gemischt werden, sodass sie immer neue Hörerlebnisse generieren, die über die verschiedenen Auslässe des Röhrensystems wahrgenommen werden können. Diese Art von akustischen „Portraits“ von Landschaften haben wir z.B. im „Klangatoll“ (Paasdorf, NÖ, 1996, revitalisiert 2023) realisiert, einem kreisförmigen Erdwall, der im Inneren die akustische Geschichte der Landschaft als Soundscape erklingen lässt, sowie in „Nachhall“ (OK Offenes Kulturhaus OÖ, Linz, 2008 bei „Tiefenrausch“) in vollkommener Dunkelheit im Limonistollen unter Linz, und mit der „Tiefensonde“; letztere bestand ebenfalls aus einem Rohrsystem, das aus der Erde ragte. Die Erzählungen selbst sind nicht über das Rohrsystem zu hören sondern werden auf dieser Website erscheinen.
Martin Breindl, Durchlässige Landschaft, Entwurfsskizze, 2025
Martin Breindl, Durchlässige Landschaft, Entwurfsskizze, 2026

Credits

  • Produktion: A-Zone
  • Kurator: Herwig Turk