Was "Die Welt in 24 Stunden" zum Gegenstand hat und was die Fax-Foto-Fax-Sequenz "Austrian Farmhouse" von Norbert Hinterberger anzeigt, sind Formen der Umbildung jeder Erscheinung, die zu einer Nachricht im Mediensystem werden soll: sie muss durch das Nadelöhr des Terminals und der Interfaces gelangen, übersetzbar, lesbar, kommunizierbar werden, entzifferbar für die Vereinbarungen des Netzes, seien sie technischer oder praktischer Art, u. z. lesbar nicht als das, was der Fall ist, sondern als das, was sich davon übersetzen, entziffern, beschreiben, d. h. importieren und implementieren lässt: Medien tasten die Welt ab und übersetzen ihre Erscheinungen gemäss ihrer programmmässigen, theoretischen Optionen. Selbst die perfekte synchrone Bild- und Tonübertragung ändert nichts an dieser Verformung und Deformation. "Jede Fotokamera, jede kinematografische und videografische Filmkamera ist optisch nichts anderes als Artefakt gewordenes planperspektivisches Instrument, technisches Sachsystem für die vermeintliche unmittelbare Durchsicht auf die Dinge (...).
(...) Die planperspektivische Projektion von Körpern steht für den Akt der Distanzierung vom Leiblichen, der kulturellen Grundvorraussetzung für dessen Beherrschung (...)." (Siegfried Zielinski) Jede medientechnische Erfassung der Welt stellt sie auf Distanz: im Falle der Kommunikation verbirgt sich diese grundlegende Distanzierung nicht hinter einem ikonischen Bild, sondern hinter einer Unmittelbarkeit des "response" - der andere der Kommunikation ist durch die Minimierung der Zeitdifferenz einer Antwort praktisch gegenwärtig (obwohl hier angemerkt werden muss, dass sowohl die Faxübertragung als auch die Slow Scan TV-Bilder bis zu einigen Minuten zur Übertragung in Anspruch nehmen konnten), nicht als Bild, aber als Beschriftung eines Bildschirms, als Schriftrolle, die ein Gerät produziert, eine Stimme, ein Text, die/der antwortet. Doch alle diese Effekte der Anwesenheit des Abwesenden sind letztlich interne Rekonstruktionen gewisser Informationsgehalte, die das Medium in Abtastung des Realen (einer Stimme, eines Bildes, eines Textes) produziert: die Bilder und Texte, die schliesslich zur Erscheinung gebracht werden, sind ein Resultat gerade jener Transformationen in eine Immanenz und interne Repräsentation (die es in dieser Form weder in der Fotografie noch im Film gibt, weil dort Repräsentation und Repräsentationsfeld zusammenfallen, es gibt keine "interne" Ausdifferenzierung, die gleichzeitig fixiert und prozessiert werden könnte) und repräsentieren immer auch diese selbst: die Systeme entwickeln eine Sphäre interner Repräsentationen, die die Subjekte und Objekt (die abstrahierende Repräsentation eines Bauernhofes) durchlaufen und die sich jedem Zugriff entziehen. Genau das meint die Rede vom "Medium als Botschaft" (Marshall McLuhan) - eine kritische Distanz gegenüber Identifizierungen von medienimmanenten und -exmanenten (d. h. etwa "realen") "Gegenständen" und/oder ihren Erscheinungsformen.
Reinhard Braun |