DER BESTAND

Der "Führerbau" in München, wo alle Erwerbungen des "Sonderauftrages Linz" vorerst eingelagert wurden. Nach Kriegsende wurde hier von den Amerikanern der "Central Collecting Point" eingerichtet.


Die Möglichkeit, die Zahl der für das Linzer Museum gedachten Kunstobjekte zu schätzen, ergibt sich nur indirekt aus den in München katalogisierten Werken sowie den in Altaussee eingelagerten Beständen. Aber längst nicht alle der dort gelagerten Kunstgüter waren für Linz bestimmt, noch war Altaussee der alleinige Bergungsort für jene Objekte, obwohl dies so geplant gewesen war; es haben bei weitem nicht alle geplanten Transporte Altaussee erreicht.

Der Restaurator Karl Sieber, der bei der Einlagerung in Altaussee tätig war, nennt in seinen Listen 4.353 für Linz bestimmte Gemälde. Geht man von dieser Zahl aus, müssen noch die zum Teil in Hohenfurth, Rinntal, Seiersberg, Wesenstein, vor allem aber die in München im Führerbau verbliebenen 262 für Linz bestimmten Gemälde hinzugezogen werden.

Als zweite Liste existiert jene von Hans Reger in München, die das Datum 1. Februar 1945 trägt und alle dort eingelangten Kunstwerke verzeichnet; sie zählt 3.922 Gemälde. Hierher gelangten jedoch, vor allem in den letzten Kriegstagen, nicht alle für Linz bestimmten Gemälde, andererseits waren nicht alle sich im Führerbau befindlichen dem Linzer Museum zugedacht.

Es geht aber hier weder um eine genaue Schätzung, noch um die Beurteilung der Glaubwürdigkeit bestimmter Quellen: es soll durch diese Zahlen nur die Grössenordnung jener "Führersammlung", die ja nicht allein aus Gemälden bestehen sollte, verdeutlicht werden, sowie der ungeheure Aufwand an Organisation, Material, Personen und finanziellen Mitteln, der hinter diesem Auftrag steckte.

All das verdeutlicht die Anstrengungen, die unternommen wurden, die Zeugnisse gleichsam der gesamten europäischen Kultur in den Besitz des "Deutschen Volkes" zu bringen, und lässt so rückwirkend auch die Vorbereitungen auf kulturpolitischem Gebiet, die notwendig waren, um ein Unternehmen von diesen Ausmassen rechtfertigen zu können, als durchaus strategisch erscheinen.

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